WAS GEHT BEI ... Hendrik Scholle? Personal Best im Frankreichurlaub

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

so einiges geht, oder sollte ich eher sagen ging bei mir in den letzten Monaten. Zugegebenermaßen freute ich mich sehr darüber als Christopher mich fragte, ob ich Lust hätte etwas für die neue Rubrik bei Carpzilla+ zu schreiben. Worüber ich schreiben sollte, das wusste ich aber leider nicht. Ich habe im Verlauf des Jahres einige coole Sachen mit meinen Freunden erlebt, sei es eine Tour mit Luis durch die Französischen Alpen oder eine absolute Traum Session mit Marco am Flachlandsee. Viele Sachen hatten ihren Reiz zu Papier gebracht zu werden. Ich antwortete Christopher erst einmal, dass ich mich nach meiner bevorstehenden Herbsttour bei ihm melden würde. Ja was soll ich sagen, nun bin ich wieder daheim und liege mit einer Erkältung im Bett. Eingefangen habe ich mir diese wohl, als Stefan mich vor einigen Tagen in den See geworfen hat. Wie es dazu gekommen ist und warum ich trotz Husten mit einem breiten Grinsen im Gesicht vor meinem Laptop sitze, versuche ich Euch in den folgenden Zeilen dann wohl mal näher zu erklären.

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Am besten fange ich ganz von vorne an. Nachdem ich Anfang Oktober meine letzten Klausuren des vergangenen Semesters hinter mich gebracht hatte, ging es los mit den Vorbereitungen für eine 2-Wöchige Frankreichtour. Bis ein paar Tage vor der Abreise wussten wir nicht einmal wohin es dieses Mal gehen soll. Letztendlich entschieden wir uns für einen Nordfranzösischen Flachlandsee, an dem wir bereits im letzten Herbst mehr als erfolgreich waren. Das Wetter war die letzten Tage vor der Ankunft zwar nicht optimal, wir waren allerdings trotzdem sehr optimistisch, dass wir es schon irgendwie schaffen werden, die Fische zu finden und den ein oder anderen ans Band zu bekommen. Ich denke, ich werde es ab hier einfach abkürzen. Wir haben die ersten 8 Tage wirklich alles gegeben, haben 3x die Stelle gewechselt, in nahezu jedem Seebereich Ruten liegen gehabt, aber es sollte dort einfach nicht sein. Auch bei Gesprächen mit anderen Anglern und Locals aus der Region, kamen wir alle auf denselben Nenner. Das Wasser muss sich in den letzten Tagen bei teilweise leichtem Nachtfrost und kaltem Ostwind so stark abgekühlt haben, dass die Fische das Fressen für den Moment wohl komplett eingestellt hatten. Gewundert hat es uns dann allerdings nicht, hatte der See doch nur eine maximale Tiefe von gerade einmal 2,5m.

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Ein neuer Plan musste her! Wir wollten die zweite Woche der Tour an einem etwa 30 min entfernten See weiterführen. Dieser besaß eine etwas höhere Durchschnittstiefe und war dadurch vielleicht etwas weniger wetteranfällig und mit seinen rund 250 Hektar Wasserfläche auch etwas überschaubarer. Bevor wir zum See fahren wollten, füllten wir allerdings erstmal unsere Essensvorräte auf und gingen danach noch etwas essen. Während des Essens diskutierten wir darüber, ob der besagte See wirklich die richtige Entscheidung sei. Zweifel kamen auf. Unser Kumpel Julius war es dann, der uns am Telefon den Floh ins Ohr setzte, wir sollten uns in die Autos setzen und weiter in den Süden fahren. Wir zweifelten, doch was hatten wir zu verlieren? Schlimmer konnte es eh nicht mehr werden und so setzte ich einen Standort auf dem Parkplatz eines Stausees und startete die Navigation. Die rund 2-Stündige Fahrt verging wie im Flug, doch während wir am See auf den Parkplatz fuhren, trauten wir unseren Augen kaum. Ich schaute in Stefans Auto und sah nur wie er den Kopf schüttelte. Ohne zu übertreiben waren es mindestens 20 Camps, die hier im tieferen Seeteil die Ufer zierten. Nein, darauf hatten wir mal so gar keine Lust! Ein neuer Plan musste her. Marco und ich schauten uns bereits bei unserer Sommertour einen See an, der mir seitdem nie so richtig aus dem Kopf gehen wollte. Das könnte was für uns sein, sagte ich zu Stefan. Wir drehten unsere Schlüssel im Uhrzeigersinn und starteten ein hoffentlich vorerst letztes Mal unsere Motoren. Am See angekommen, hatten wir direkt wieder gute Laune. War doch tatsächlich ein sehr interessanter Platz direkt vor der Staumauer frei. Wir zögerten keine Sekunde und fingen an unser Tackle den Abhang hinunter zu tragen. Wir fühlten uns direkt wohl, doch als wir anfangen wollten Location zu machen, machte sich Ernüchterung breit. Durch die Badewannenstruktur des ersten Gewässers hatten wir beide darauf verzichtet ein Echolot einzupacken, das an diesem strukturreichen Stausee definitiv von Vorteil gewesen wäre. Doch wir machten einfach das beste raus, suchten im Internet eine Tiefenkarte und ruderten mit Klopfblei und GPS-Gerät unseren gesamten Bereich ab. Das Ganze hat zwar den restlichen Tag in Anspruch genommen, bis zum Abendessen allerdings lagen dann aber alle Ruten an strategisch guten Spods.

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Leider vergingen auch die nächsten zwei Tage wie im Flug und es tat sich einfach rein gar nichts. Langeweile hatten wir allerdings trotzdem nicht. Stefan lernte für seine Techniker Prüfung und ich hatte meine Online Vorlesungen in der Uni. Wir kochten nahezu jeden Tag gut, tranken zwischendurch mal einen Kaffee oder ein Bier und abends gerne auch mal einen Rum-Cola. Legten hin und wieder mal eine Rute neu, wenn sie von einem Raubfischangler hochgeholt wurde und lebten auch einfach mal in den Tag hinein und genossen einfach das, was wir hier machten. Um ehrlich zu sein waren wir nicht einmal demotiviert. Wir machten uns zwischenzeitlich über unser Blanken sogar selbst lustig, wussten aber auch, dass es irgendwann eine Belohnung fürs durchhalten geben würde.

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Ab der folgenden Nacht sollte starker Südwind voll auf die Staumauer drücken. Wenn nicht jetzt wann dann, dachten wir uns. Während Stefan sich ums Essen kümmerte, wollte ich noch schnell eine Rute neu machen. Am gegenüberliegenden Ufer angekommen kurbelte ich nun meine Montage an die 3m Kante runter, doch irgendwas in mir veranlasste mich dazu die Rute tiefer zu legen. Ich ruderte einige Meter weiter bis ich mit dem Klopfblei eine noch deutlichere Veränderung der Bodenbeschaffenheit merkte und nun bei etwa 6m lag. Etwa 10 Pillen und eine kleine Kelle Hanf sollten mehr als ausreichend sein.

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Zum ersten Mal in den letzten Tagen saßen wir abends sehr lange draußen, der milde Wind lud uns einfach dazu ein. Ich denke es war in etwa gegen 23 Uhr, als ich einen komischen Fallbiss auf die kurz zuvor gelegte Rute bekam. Stefan ruderte mich über den Fisch und ich begann Kontakt aufzunehmen. Die Rute war im Halbkreis gekrümmt und es begann ein wirklich harter und langer Drill. Irgendwann kam der Fisch dann doch mit und wir trauten unseren Augen nicht, als ein wirklich brachialer Spiegler vor uns an der Oberfläche lag. Stefan schob sofort den Kescher drunter, wir klatschten ein und freuten uns wie zwei kleine Kinder an Heiligabend. Das Wiegen am Ufer sprengte dann nochmal unsere Erwartungen und alle Strapazen der letzten Tage waren komplett vergessen. Wir stießen noch mit einem Bier an und machten nach ein paar Stunden Schlaf direkt im ersten Licht Bilder. Ich war einfach so überglücklich, dass es doch noch so richtig geknallt hat und ich zum Ende der Saison nochmal eine richtige Bombe fangen durfte. Genau so einen hatte ich mir für die Tour gewünscht und ich dachte, besser kann es nicht mehr werden.

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Die nächsten Tage wendete sich für uns das Blatt tatsächlich und wir fingen pro Tag etwa 1-2 Fische. Unter anderem biss bei Stefan, der vielleicht schönste Fisch, den wir je gesehen haben. Ein traumhaft schöner Fully, der Stefan ein verdammt breites Grinsen ins Gesicht gezaubert hatte und alle Strapazen binnen weniger Sekunden vergessen machte.

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Am folgenden Morgen musste es wegen der Arbeit leider wieder nach Hause gehen. Wir versuchten den Tag nochmal so richtig zu genießen und chillten mehr oder weniger den ganzen Tag vor den Ruten, tranken Kaffee und freuten uns, dass sich das Blatt zum Ende doch noch so gewendet hatte und wir neben dem großen Spiegler noch einige weitere schöne Fische fingen. Mit einem Biss rechneten wir zu dem Zeitpunkt wirklich absolut nicht mehr, da wir alle Fische nachts fingen. Mitten in einem echt coolen Gespräch gab es einige Piepser auf einer Rute am gegenüberliegenden Ufer, die nun schon seit 3 Tagen unberührt lag. Wir sprangen ins Boot und Stefan ruderte mich wieder schnell über Fisch. An der Schlagschnur angekommen, war klar, dass wir einen Waller gehakt haben mussten. Ich schaffte es absolut nicht den Fisch auch nur einen Meter vom Grund zu lösen. Doch plötzlich löste sich der Fisch dann doch und ich pumpte was das Zeug hielt. Plötzlich durchbrach ein weiterer riesen Spiegler die Wasseroberfläche. Ich riss die Bremse auf und der Fisch zog mir noch einmal die komplette Schlagschnur von der Rolle. Mir zitterten nun wirklich die Knie. Stefan kescherte den Fisch wenige Minuten später und wir nahmen uns noch im Boot in den Arm. Beim in den Kescher schauen wussten wir direkt, was hier gerade passiert ist und ich muss ehrlicherweise zugeben, dass dieser Moment so emotional für mich war, dass ich die eine oder andere Freudenträne in den Augen hatte. Wir haben den Fisch dann nach dem Wiegen erst einmal in die Schlinge gepackt damit wir ein bisschen runterkommen und uns aufs Fotosmachen vorbereiten können. Jeder, der mich gut kennt, weiß wie sehr ich dieses Hobby liebe und wie viel mir dieser Moment bedeutete. Ich war einfach nur völlig sprachlos und sehr froh darüber, dass ich das alles mit einem wirklich guten Freund teilen konnte.

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Stefan schoss für mich die wohl besten Fischbilder, die ich jemals hatte und schuppste mich wenig später, wie es sich für eine waschechte PB-Taufe gehört, in den See. Wir genossen den letzten Abend und ich konnte kaum fassen, was dort mittags passiert war. Danke an Stefan, für eine der wohl schönsten Frankreich-Touren, die ich bis jetzt erleben durfte und danke an all meine Freunde, die sich ehrlich für mich gefreut haben.

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Hendrik Scholle

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