Verdammt viel ist bisher passiert dieses Jahr, aber ich glaube es wäre das Beste, wenn ich einfach ganz vorne anfange. Nach einem absolut krassem Herbst 2019 mit zahlreichen großen Fischen bis Mitte 50 Pfund war ich das Karpfenangeln wirklich satt und brauchte einen Tapetenwechsel.  

Mein gesamtes Weihnachtsgeld ging für eine nagelneue Raubfischausrüstung drauf und über den Winter wollte ich zwei Ziele verfolgen. Zum einen wollte ich gerne meinen ersten Hecht über 1 Meter fangen und zum anderen einen neuen Barsch PB, am liebsten ü50cm. Fast jedes Wochenende fuhr ich samstags und/oder sonntags ins nur unweit entfernte Holland und konnte bis Ende Januar einige, wirklich schöne Räuber fangen – inklusive meines neuen Barsch PBs.

Sport ist Mord!

Neben dem Raubfischangeln fing ich wieder an, Sport zu machen und zog mir hierbei leider, Anfang Februar, eine Knieverletzung zu. Nach einer Fehldiagnose des Arztes, ein vermeidlicher Meniskus-Riss, wurde ich am Knie operiert. Es hat sich bei der OP herausgestellt, dass ich „nur“ einen entzündeten Gelenkerguss hatte und nach der OP blieb ich satte fünf Wochen zuhause. Angeln? Fehlanzeige! Mir fiel die Decke auf den Kopf und aus Langeweile buchte ich zwei Trips an zwei verschiedene Paylakes. Einmal sollte es im September an den Iktus Ruffaud gehen und einmal, über meinen Geburtstag im November, an den Gigantica Main Lake.

Zurück an den Sailing Club

Es war mittlerweile März und das Wetter wurde von Tag zu Tag besser. Ich hatte richtig Bock, wieder auf Karpfen zu angeln. Nachdem ich eine Woche arbeitete wollte ich meine erste Session machen. Es sollte zum Sailing Club gehen, da dieser eine relativ geringe Durchschnittstiefe hat und ich im vergangenen Frühjahr einige schöne Fische, schon zeitig im Jahr, dort fangen konnte. Die Rahmenbedingungen stimmten mich positiv, es war mild, wenig Wind aus Süd-Ost, die Mondphase war perfekt und es war sonnig. Ich wählte meine favorisiert Stelle an der Seglerhütte, da diese im Windschatten lag und ich dort gut, trotz meiner bisher eher mäßig verheilten Verletzung, mit dem Boot angeln konnte.

Hab euch!
Es tat unglaublich gut wieder draußen zu sein, die Sonne zu genießen und einfach zu angeln. Meine Taktik, einzelne Naked Chods mit aufälligen, in Goo gesoakten, Pop Ups Richtung steigende Fische zu werfen, blieb leider bis zum nächsten Mittag erfolglos. Nach einer guten Stunde die ich im Boot verbracht hatte, um Fische im glasklaren Wasser ausfindig zu machen, fand ich unter einer ins Wasser gefallenen Birke gleich mehrere Karpfen. Schnell ruderte ich zurück und machte eine Rute fertig. Da meine UV-aktiven Pop Ups keinen Biss gebracht hatten köderte ich einen halben 20mm Boilie an mein D-Rig welchen ich ein wenig auskorkte. 10 halbe Boilies und ganz wenig Boilie-Teig drumherum – die Falle war perfekt.

How is your luck?

Keine Stunde dauerte es bis ich mit einer krummen Rute im Boot stand. Der Fisch machte ordentlich Druck und zog mich sehr weit vom Baum weg ins offene Wasser. Nachdem er das erste Mal an die Oberfläche kam wusste ich direkt, um welchen Fisch es sich handelt. Es war der Bulle, ein extrem breit gebauter Spiegler, den ich zuletzt im Herbst auf meinem Futterplatz mit ü27kg fangen konnte! Kurze Zeit später lag er im Kescher. Mein erster Fisch des Jahres, nach der ersten Nacht und direkt der erste Fünfziger – How is your luck? Nach einem kurzen Telefonat mit nem Bekannten kam dieser kurze Zeit später vorbei und wir fotografierten den Fisch. Mit meinem kaputten Knie keine angenehme Angelegenheit, die ich wenig später wirklich bereute, denn ich hatte Schmerzen ohne Ende. FUCK! Zwei 600er Ibu‘s und ne Flasche Rotwein brachten mich durch die Nacht und am nächste Morgen half mir mein Bekannter, der über Nacht geblieben war, beim Abbau meines Tackles. Die nächsten zwei Wochen wollte ich eigentlich zuhause bleiben, da es nicht wirklich besser wurde mit meinem Knie. Ein guter Freund lud mich jedoch zu einem Social ein und wir fischten eine Nacht aus dem Bulli heraus. Ich fing zwei Fische an dem, für mich, neuen See. Diese fotografierte ich aufgrund der immer noch starken Schmerzen im Knie im Wasser.

Und dann kam Covid 19...

Alles war komisch. Man hörte in den Nachrichten nur noch etwas von Social Distancing und diesem besagten Virus. Die beste Methode, Social Distancing zu betreiben war natürlich das Angeln und in der Hoffnung, dass wenig am Wasser los sein würde, nahm ich mir zwei Wochen frei, um an einem ganz bestimmten See zu fischen. Dieser liegt auf der anderen Straßenseite des Sailing Club Lakes und beherbergt einen gut gebauten, langen Schuppenkarpfen den ich unbedingt fangen wollte. In diesen zwei Wochen wurde es immer voller mit Anglern rund um die Gewässer meiner Region und es war zeitweise wirklich schwierig, eine Stelle zu bekommen. Aufgrund dessen angelte ich wieder die eine oder andere Nacht am benachbarten Sailing Club oder am kleinen Fluss um die Ecke. Ich fing viele, wirklich schöne Fische in dieser Zeit – jedoch war der Schuppi nicht dabei.

Fulltime! Finally…

Es war mittlerweile Mai und mein eigentliches Ziel für 2020 war ein klarer, großer Baggersee der ein absolutes Lowstock Gewässer ist. Ich möchte noch nicht all zu viel über den See schreiben, jedoch begann die Kampagne direkt mit einem Paukenschlag! Aufgrund der Covid-Krise wurde auch die Auftragslage in dem Unternehmen in dem ich arbeite immer geringer und bedeutete für mich, dass ich in den kommenden Wochen wirklich wenig arbeiten musste. Was dies für mich bedeutete war ganz klar. Mein langjähriger Wunsch, für einen bestimmten Zeitraum Fulltime angeln gehen zu können, wurde Realität und mein Plan für die kommenden Wochen stand fest. Ich wollte so viel Zeit wie nur eben möglich am Lowstock verbringen und in dieser Zeit so effektiv wie möglich sein. Das Ende vom Lied war, dass ich bis Juli satte 17 Nächte geblankt hatte – auch das ist Angeln.

Taktischer Social

Da die Abstandsregeln immer mehr gelockert wurden entschlossen Max, Flo und meine Wenigkeit uns dazu, einen Social zu machen. Lockere Gespräche, kalte Getränke und hoffentlich viele Fische waren unser Ziel. Erst spät am Abend kamen wir am See an und bezogen in der Dämmerung unsere anvisierte Stelle. Wir sahen mehrere Fische auf ungefähr 80 bis 100 Metern Entfernung rollen und entschieden uns kurzer Hand initial 15kg Spod Mix auf 25 Rutenlängen zu spodden, um erst am nächsten Morgen mit dem Angeln anzufangen. Nach ein paar Dosen Bier ging es in die Waagerechte und um 8 klingelte der Wecker. Wir montierten noch vor dem ersten Kaffee unsere Ruten mit auffälligen Hookbaits und warfen diese auf unseren Spot. Ich glaube es hat keine 20 Minuten gedauert, bis bei Max die erste Rute ablief. Das Wochenende war der Wahnsinn und der perfekte Ausgleich zur harten Angelei am Lowstock. Wir fingen irgendwas um die 40 Fische und hatten super viel Spaß.

Nach dieser Session folgte direkt am nächsten Wochenende ein Jugendevent bei dem ich als Betreuer mithalf. Dieses wurde, zum Glück, von der zuständigen Stadtverwaltung nach Vorlegung eines Hygienekonzeptes freigegeben. Das Wetter spielte überhaupt nicht mit, zumindest was die Fänge anbelangt. Es war unglaublich heiß und die Fische hatten absolut keine Lust zu fressen. Kurzer Hand entschied ich mich, zwei Ruten mit Zigs zu montieren und konnte selbst noch so einen Fisch zum Landgang überreden. Ich hatte nur noch gute vier Wochen Zeit bis zu meinem ersten, im Februar gebuchten, Trip an den Iktus Ruffaud. Ich wollte das beste aus der Zeit machen und baute mir einen Futterplatz am Lowstock auf der nach vielen, nächtlichen Fahrten zum See die eine oder andere Perle zum Vorschein brachte. Aber dazu und zur Frankreich-Session schon bald mehr…

Cheers,

Malte

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