In meinem ersten Update schrieb ich davon, dass ich im Februar zwei Trips an zwei verschiedene Paylakes gebucht hatte. Ende August sollte es zum Iktus Ruffaud gehen und im November, über meinem Geburtstag hinweg, zum Gigantica Mainlake. Doch, unter den schwierigen Bedingungen, die uns alle im Jahr 2020 begleiteten, war eine verlässliche Planung kaum möglich. Es war gefühlt ein wöchentliches Hin und Her. In der einen Woche durften wir nach Frankreich einreisen und in der nächsten wieder nicht. Es war wirklich nervig, jedoch ließ es die momentane Covid-19 Situation nicht anders zu. Florian und ich hielten jedoch die Füße still, denn, der Reiseveranstalter für unseren ersten Trip, hatte die für uns alle komplett neue Situation super geregelt. Falls die Region, in der der See gelegen ist, zum Risikogebiet erklärt wird, können wir uns ganz entspannt einen Ausweichtermin aussuchen, oder unser Geld wieder bekommen - perfekt!

In der Nacht von Freitag auf Samstag, um Punkt Mitternacht, rollte mein roter Van von der deutsch-holländischen Grenze los gen Süden. Gute 1200km mussten wir bis zum See fahren, jedoch vermieste uns dies überhaupt nicht die Laune und Vorfreude. Eine Woche entspanntes Angeln, keine Sorgen, ob der bevorzugte Platz frei ist, kein ständiges Moven, um am Fisch zu bleiben - einfach angeln und chillen. Ich glaube es hat keine 30 Minuten gedauert, bis Flo am Pennen war. Kein Wunder, denn wir haben beide den Tag vorher noch jeder acht Stunden gearbeitet. In gefühlter Rekordzeit waren wir in Luxemburg und tankten die Karre bis oben hin voll. Ich denke, jeder, der regelmäßig nach Frankreich fährt, kennt den klassischen Stopp in Wasserbillig. Tanken, Kaffee kaufen und erneut ab auf die Piste.

WAS GEHT BEI ... Malte Brüninghoff? Unverhofft kommt oft!

Die Zeit verging zum Glück wie im Fluge und nach guten 12 Stunden Fahrt standen wir am Etang de Ruffaud. Nach Rücksprache mit dem Bailiff Damien liefen wir zu unserer gebuchten Stelle B, um uns einen kurzen Überblick zu verschaffen. Auf dem Weg dorthin konnten wir im Bereich der Staumauer bei Stelle C und im Übergang zu unserer Stelle einige Fische sehen, darunter einige Koi’s und ein bis zwei richtig gute Spiegler von über 50 Pfund!

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Damien gab uns kurze Zeit später einen kleinen Rundgang, zeigte uns die Facilities und gab uns den einen oder anderen Tipp für unsere Stelle. Jedoch gab er uns auch direkt einen Dämpfer. Es gab zwei Tage vor unserer Anreise einen starken Wetterumschwung und die Bedingungen, wirklich gut und viel zu fangen, waren nicht wirklich gegeben. Aber ein paar Fische sollten beißen, wenn wir nicht zu viel füttern und gut angeln … Florian und ich bauten unsere Zelte auf, richteten das Camp ein, stiegen anschließend ins Boot und machten uns einen guten Überblick über unsere Stelle. Mit meinem Echolot erstellte ich kurzer Hand eine komplette Tiefenkarte unserer Stelle, um die Bodenstruktur zu visualisieren. Wir wollten am ersten Tag direkt alles richtig und gewissenhaft machen, um nicht nach drei bis viert Tagen wieder anfangen zu müssen, weil wir entweder im Kraut lagen oder die Bisse ausblieben. Unsere Taktik sah nach 3 Std Location so aus, dass wir zwei Ruten am gegenüberliegenden Ufer nach Links angeln wollten, drei Ruten wollten wir an der Kante zum alten Flussbett angeln und unsere sechste, und somit letzte Rute, wollten wir ans eigene Ufer legen.

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Die Uferruten angelten wir mit kleinen Fallen mit der sogenannten Washing Line Methode. Das heißt, wir spannen die Hauptschnüre über die Wasseroberfläche und hängen in die Bäume und Äste am Ufer Downrigger Clips aus dem Wallerbedarf. Diese lösen im Falle eines Bisses aus und wir können den Fisch an freier Leine drillen. Eine für uns beide wirklich bewährte Methode, die wir schon an anderen Seen und Kanälen wirklich mit großem Vertrauen benutzt haben. Der Hintergedanke dieser Methode ist, dass wir so wenig Schnur wie möglich im Wasser haben und durch den Schnur- und somit Angeldruck keine Fische verscheuchen. Den Spot am Flussbett wollten Flo und ich mit etwas mehr Futter beangeln, in der Hoffnung, vorbeiziehende Fische hiermit abzugreifen. Am ersten Tag verteilten wir auf diesem Spot relativ großflächig auf 30qm, 2-3kg 16mm Boilies, ungefähr dieselbe Menge Boilieteig und ein paar Dosen Mais. Die Taktik stand, Rigs wurden passend gebunden und unsere Ruten wurden feinst säuberlich mit dem Boot abgelegt, oder geworfen.

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Den ersten Fisch fing ich am Sonntagabend auf meine linke Rute, nachdem wir ein paar Fische haben springen hören. Ein cooler Spiegler um die 15kg war auf unserer Habenseite und der Anfang war gemacht. Erst am nächsten Abend kamen die Fische wieder in unsere Ecke des Sees und sprangen wie wild auf unserem Spot. Es war gegen 12 Uhr nachts, als die erste Rute ablief und kurze Zeit später konnte Flo seinen ersten Franzosen landen. Erneut ein wirklich makelloser Spiegler von etwas über 19kg.  Wir hatten den Fisch gerade zurückgesetzt, als die nächste Rute ablief. Ich war wieder an der Reihe, denn wir angelten, wie es sich für gute Freunde gehört, Lauf auf Lauf. Ein langer Schuppi, bestimmt einen Meter lang, war das Ergebnis nach wirklich kraftvollem Drill. Auch dieser Fisch kam auf unserem Spot am Flussbett.  Spätestens nach diesem Fisch wussten wir was abgeht. Sobald Fische in unserer Bucht springen, konnten wir diese auf unserem Spot am Flussbett fangen.

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Ab diesen Punkt in der Woche konnte es nicht mehr schlechter werden und die Stimmung war ausgelassen. Wir wiederholten unsere tägliche Routine des Fütterns und Rutenlegens gegen 16 Uhr und gegen Mitternacht die erste Rute ab. Die Zeit verging wie im Flug und mittlerweile hatten wir Donnerstag, der berühmt berüchtigte Big Fish Thursday, wie die Engländer gerne sagen und obendrein hatten wir Vollmond. Ich glaube, ich habe mich noch nie mit einem so guten Gefühl schlafen gelegt beim Angeln, wie an diesem Abend. Die äußerlichen Bedingungen waren perfekt. Wir fingen konstant unsere Fische und ich hörte in der Entfernung in regelmäßigen Zeitabständen Fische springen. Gegen 2 Uhr lief die erste Rute ab. Ich war wieder an der Reihe und der Fisch am anderen Ende der Rute machte ordentlich Druck. Nach gut 15 Minuten konnten Flo und ich den Fisch das erste Mal sehen und wir waren uns beide relativ sicher, dass es ein Fisch um die 20kg sei. Wenig später lag der Fisch im Kescher - und er war groß, sehr groß sogar! Wir hoben den Fisch aus den Knien heraus an und Flo sagte nur: “Das ist ein guter Fuffi!” Als die Wage bei etwas über 27kg stehen blieb, checkten wir nochmals ab und machten anschließend ein paar Fotos im Wasser, um den Fisch zu schonen.

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Gute zwei Stunden später lief dieselbe Rute erneut ab. Flo war tief und fest am Pennen und ich nahm die Rute auf. Kurze Zeit später kam er auf den Steg gelaufen und ich hielt ihm die Rute hin, denn immerhin war er an der Reihe. Er winkte dankend ab und ich drillte den Fisch weiter. Ein großer, runder Schuppi kam vorm Kescher hoch und beim ersten Versuch diesen in den Kescher zu bugsieren, konnte Flo den Fisch sicher einnetzen. Abklatschen, Rute neu montieren, füttern, die Routine ging von vorne los. Erst als alles wieder lag schauten wir uns den Fisch genauer an und es war erneut ein echtes Brett, weit über 20kg. Wir entschlossen uns dazu, weil die Sonne gleich aufging, den Fisch im Kescher zu lassen und noch kurz zu warten und erst dann die Fotos zu machen.

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Flo legte sich nochmal hin und ich schmiss die Bialletti an und machte mir den ersten Kaffee des Morgens. Als ich das erste Mal von der Tasse nippen wollte, lief eine von Flo`s Ruten ab. Wenig später, er mit krummer Rute und ich mit meinem heißen Kaffee in der Hand, standen wir erneut auf dem Steg. Nebelschwaden stiegen empor, die Sonne ging auf, ein dicker Fisch vor uns im Kescher und einer der besten Freunde hatte den nächsten Fisch drauf. Gehts besser? Ich denke nicht! Ein kleinerer Spiegler, vermutlich der kleinste der bisherigen Woche, nahm das Spinner Rig mit nem “Match the Hatch” von Florian auf und landete sicher im Kescher. Wir machten erneut alles fertig und als wir gerade den nächsten Kaffee trinken wollten hörten wir es nur ganz laut klatschen und sahen große Wellen die von der Spitze des Stegs aus kamen. Ich checkte ob alles in Ordnung ist mit den Fischen und dann kam die Ernüchterung. Der große Schuppi, der vermutlich größte Schuppenkarpfen des Sees, hat sich aus dem Staub gemacht. FUCK!!!! Ich schaute Florian an und er fragte nur auf platt:

“Sünn de Fisch noch dar"?

"Nope! Die dicke bak fehlt”, antwortete ich ernüchtert und lief zurück zu unseren Stühlen. “Egal”, sagte ich nur zu Florian, “das ist nicht der erste dicke Fisch, der mir dieses Jahr abgehauen ist”. Wir lachten beide und tranken unseren Kaffee und genossen den Sonnenaufgang.

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Im Laufe des Freitagvormittags liefen noch zwei weitere kleinere Fische ab und wir packten unsere sieben Sachen schon mal langsam ein, sodass wir am nächsten Morgen nur unsere Ruten, Liegen und Zelte abbauen müssen. Wir bestellten uns für den Abend Pizza, aßen diesen im letzten Licht des Tages und ließen die Woche Revue passieren. Die letzte Nacht verlief ruhig und wir konnten ausgeschlafen unser Zeug packen und die Heimreise antreten. Alles in allem war es eine lustige und vor allem erholsame Woche in Frankreich mit ein paar echt coolen Fischen.

Bis dahin,

Malte Brüninghoff

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