Nico Brocher mit Schuppenkarpfen.

Wie jedes Jahr machte ich mir auch im vorletzten Winter einen Plan für mein Angeln 2020. Doch wie so oft, ist es meist besser sich von der Laune und den Zufällen leiten zu lassen. Genauso passierte es auch im letzten Jahr und von meinem Plan blieb am Ende eigentlich gar nicht mehr so viel über…. Zum Glück!

Was ging bei mir eigentlich?

Das Frühjahr und den Sommer angelte ich an verschiedenen Gewässern, angefangen bei den flachen Torfstichen, bis hin zu meinem geliebten Baggerseen und konnte bis dahin schon einen Haufen großer und besonderer Ausnahmefische bis über 25 Kg fangen. Natürlich ist es klar, dass man nach einem solchen Jahr, völlig euphorisch in den Herbst starten wollte. Ein Problem gabs dabei:

Ich wusste nicht, wohin oder was ich machen soll...

Die Idee

Am Ende kam auch hier die Idee, wie von selbst. Ich habe mir vorgenommen, den Herbst so effektiv wie möglich zu angeln. Ich wollte auf gepflegten Futterplätzen angeln. Futterplätze deswegen, weil ich zwei Seen gleichzeitig füttern und beangeln wollte. In meiner Futterplatzangelei der letzten Jahre hat sich aber immer wieder herausgestellt, dass das Vertrauen, das wir über unser ständiges Füttern aufbauen, auch super schnell durch unser Angeln wieder zerstören können. Meiner Erfahrung nach, ist immer nur eine Nacht auf dem Futterplatz zu angeln, richtig effektiv und dies gilt es zu nutzen. In der darauffolgenden zweiten Nacht kommen dann meistens nur noch ein paar Nachzügler hinterher.

Da ich, wie wahrscheinlich 90% der Angler, auch nur am Wochenende zum Angeln komme, lag es nahe, das Wochenende in zwei Nächte an verschiedenen Seen zu teilen und gleichzeitig diese beiden Gewässer vorzubereiten. Eines vorweg: Ja, der Aufwand ist riesig! Man muss es wirklich wollen.

Meine Vorbereitung, geplant auf die Wochenenden, hing immer von der Nacht ab, in der ich am Wochenende den entsprechenden See beangeln wollte. Heißt also, ich versuchte immer im Intervall und alle zwei Tage Futter einzubringen. Sprich, ich fütterte Montag, Mittwoch und angelte dann die Nacht von Freitag auf Samstag. Samstags, wenn ich abbaute, fütterte ich dann auch wieder, um direkt wieder Vertrauen aufzubauen. Am anderen See genauso, nur mit den entsprechend anderen Tagen.

Ich hatte einen riesigen Vorteil, denn die entsprechende Fahrtstrecke zu den einzelnen Seen war sehr kurz und die Stellen, die ich mir aussuchte, schnell zu Fuß zu erreichen - was den zeitlichen Aufwand deutlich verringerte. So dauerte das Füttern in der Regel maximal eine halbe Stunde pro Tag und auch die Menge an Futter hielt sich in Grenzen. Ich möchte noch betonen, dass es an den Seen kein Verbot dagegen gibt, sondern lediglich eine Begrenzung, an die ich mich strikt und zu jeder Zeit gehalten habe. Ich bin auch der Meinung, wer mit hochwertigem, attraktivem Futter arbeitet, braucht keine großen Mengen. Viel mehr macht Konstanz und die Art des Fütterns den Unterschied. Gerade Hanf, Tigernüsse und Weizen sind super, um die Mengen zu erhöhen und Karpfen lieben diese Köder. Noch ein Vorteil von Partikeln ist, dass wir die Fische extrem lange damit beschäftigen.

Allgemein gilt: je weiter wir das Futter verteilen, desto mehr Fische können wir gleichzeitig beschäftigen und entsprechend Futter sparen.

All die Arbeit, wofür? Nicht immer zahlt sich Arbeit automatisch aus

Naja, sagen wir mal so, was an dem einen See auf Anhieb funktionierte und mir schlaflose Nächte bereitete, ging am anderen mal so richtig nach hinten los. Besser noch, es raubte mir förmlich die letzten Haare. Nicht, weil ich nichts fing, im Gegenteil: die Bissanzeiger liefen quasi im Dauerton. Doch leider standen nur die großen, in sehr großer Stückzahl im See vorhanden Graser auf meinem Futter. Wenn ich mal einen als Beifang habe - alles gut - doch wenn nur noch die großen Graser beißen, ist das echt nicht mein Ding. Um das mal in Zahlen auszudrücken: in nur einer einzigen Nacht mit 18 Stunden Angelzeit fing ich 14 Stück! Noch besser, ich habe nachts um 2 Uhr meine Ruten nicht mehr ausgeworfen. Die Nacht werde ich wohl so schnell nicht vergessen, ich bin fast verrückt geworden. Insgesamt angelte ich dreimal einen Morgen und diese eine besagte Nacht, bis ich endgültig eingesehen habe, so kommst du sicher nicht an die Karpfen und beendete schon bevor es richtig losging den ersten Teil meines Herbstprojektes frühzeitig.

Diesmal wieder, aber anders

Ich legte den Fokus und meine volle Energie in das andere Gewässer. Ein Gewässer, das ich auch in der Vergangenheit schon beangelt habe aber noch eine Rechnung offen hatte. Von den großen, mir bekannten Fischen, fehlte mir so gut wie jeder. Im Nachhinein führte ich damals alles auf meine Art der Angelei zurück. Ich versuchte, immer möglichst attraktiv an auffälligen Strukturen des Gewässers zu angeln, um viele Fische zu fangen. Die fing ich auch, aber eher die kleinen - an den Großen angelte ich sehr effektiv vorbei. Diesmal angelte ich einfach an der Uferkante, die auf 10-14 Meter Wassertiefe auslief. Zusätzlich dazu änderte ich noch die Wahl meiner Ködergröße. Statt wie sonst immer 15mm Boilies zu benutzen, setzte ich nun auf eine Mischung von 15-25 mm Ködern und auch an meinen Rigs landeten oft 20–25 mm Köder. Im September nutzte ich auch oft noch 12 und 15 mm Pop Ups, die ich aber weiter abseits präsentierte, um Einzelfische zu fangen die abseits vom Futter fraßen. Mit großem Erfolg, denn die Fische nahmen das Futter an und schon in meiner ersten Nacht fing ich einen der Großen, den ich sonst nur von Fotos kannte.

Ich fing Sie fast alle, aber auch nur fast!

Nächte mit über zehn Fischen waren keine Ausnahme, sondern eher die Regel und immer wieder war auch ein Fisch mit über 20 Kilo dabei. Im Oktober kam dann sogar einer, dem nur ein paar hundert Gramm bis zur 25 Kg-Marke fehlten. Doch in dieser Nacht stimmte alles: Das Wetter war perfekt, Tiefdruck, Westwind und ein paar Tage vor Vollmond. Neben dem großen Spiegler bissen in dieser Nacht noch vier weitere Fische über 17 Kg und ein paar kleinere. Ein paar Wochen zuvor fing ich sogar einen Schuppi mit knapp über 20 Kilo, der mir bis dato komplett unbekannt war. Am Ende zahlte sich der Aufwand echt aus. Ich fing fast den gesamten Bestand, der mir bekannten großen Fische. Doch einer bleibt: mein eigentliches Ziel an diesem See ist ein großer, wunderschöner Schuppenkarpfen, der bisher immer noch nicht in meinem Kescher lag. Doch wenn ich jetzt so darüber nachdenke, macht es ihn noch besonderer für mich und so habe ich auch noch ein Ziel für dieses Jahr. Natürlich angelte ich an diesem See die ganze Zeit immer nur eine Nacht auf dem Futterplatz und nutzte die zweite meist noch für einen Social an meinem Hausgewässer mit guten Freunden. Dies ist mindestens genauso wichtig, denn Herbst und Winter sind Socialtime mit Pizza und guten Gesprächen vor der Zeltheizung.

Anfang Dezember, bei einer Wassertemperatur von unter 8 Grad, beendete ich meine Zeit im letzten Jahr an diesem Gewässer, da es nicht mehr sonderlich effektiv war und bei mir auch private Veränderungen auf dem Plan standen. Dennoch bleibt natürlich noch eine Aufgabe, und ich werde definitiv nochmal zurückkommen.

Fazit

Am Ende sollte man aus allen Situationen irgendwas für sich mitnehmen. Ich liebe es zu angeln und genieße jede Sekunde, die ich damit verbringen kann. Was an dem einen See echt nach hinten losging, war am anderen der absolute Schlüssel zum Erfolg und die Umstellung meines Angelns brachte mir viele der Fische, die ich unbedingt fangen wollte. Oftmals sind es Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, was man fängt und die Art des Angelns macht halt doch einen Unterschied.

Euch allen eine mega Saison!

Viele Grüße

Nico Brocher

 

zurück