Nachdem der Saisonstart an meinem Hausgewässer alles andere als gut lief und ich trotz guter Vorbereitung leer ausging, suchte ich mir nach meinem ersten Erfolgen an dem weiter entfernten Stausee einen neuen Platz. Dieses Mal wollte ich nichts dem Zufall überlassen und wählte eine Stelle, welche ich in den letzten Jahren schon oft erfolgreich beangelt habe. Sie liegt etwa in der Mitte des großen Sees und ist recht versteckt. Auch wenn ich an diesem Platz nicht unbedingt die meisten Fische gefangen habe, fühlte ich mich dort immer wohl und hatte eine gute Zeit. Im Vergleich zur ersten Stelle ließ sich diese auch deutlich entspannter beangeln, denn statt weiten Würfen und füttern mit der Spomb, angelte ich hier fast vor den Füßen. Gute zwei Wochen wollte ich den Platz mit Futter vorbereiten, bevor ich ihn zum ersten Mal beangeln würde. Anfangs mit Partikeln und dann mit relativ kleinen Boilies in 18mm, was sich nachher allerdings als Fehler herausstellen sollte. Die Zeit bis zum ersten Ansitz nutzte ich an einem Gewässer, welches unterschiedlicher kaum sein könnte.

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Eine Gelegenheit

Nun war der optimale Zeitpunkt um an einem sehr interessanten Weiher zu angeln, welcher mit seiner Größe von etwa einem Hektar der komplette Kontrast zum Stausee ist. Er liegt versteckt im Wald, ist nahezu unberührt und beherbergt wenige, aber uralte Karpfen. In den wenigen Tagen, die ich zuvor dort war, hatte ich kaum Erfolg und musste feststellen, dass der kleine Teich deutlich schwieriger ist als ich dachte. Durch die relativ weite Anfahrt war ich immer nur sporadisch dort und habe mich nie so richtig mit dem Gewässer und seinen kniffligen Karpfen beschäftigen können, was sich dieses Jahr jedoch geändert hat. Da ich Anfang des Jahres aber umgezogen bin, waren es jetzt nur noch gerade mal fünf Minuten dorthin, was ich auch definitiv nutzen wollte. Durch die vielen überhängenden Bäume an diesem sehr naturbelassenen See kann man vor allem bei gutem Wetter häufig Fische am Ufer finden und sie auf Sicht beangeln. Wenn die Sonne also raus kaum und ich Zeit hatte, machte ich mich mit leichtem Gepäck auf den Weg und suchte die wenigen Karpfen im Uferbereich. Je nach Situation wollte ich sie entweder mit Dosenmais oder mit Schwimmbrot an freier Leine beangeln. Dies klappte im Vorjahr noch recht gut, aber wie sich zeigen sollte funktionierte es dieses Jahr leider gar nicht. Mehrmals fuhr ich bei top Bedingungen zum Weiher und fand Fische, fangen konnte ich auf diese Weise allerdings keine. Sie nahmen die Köder nicht an und schwammen einfach dran vorbei. Den restlichen Dosenmais, welchen ich nach dem Angeln im Uferbereich verteilte, fand ich am nächsten Tag aber dennoch nicht wieder. Als ich das immer wieder bemerkte und beim Stalking trotzdem nichts fing, änderte ich meinen Plan.

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Taktikwechsel

Auch wenn mir der aktive Angelstil an freier Leine an diesem Gewässer besser gefiel, wechselte ich nach meiner Beobachtung zum klassischen Angeln am Grund mit Festblei. Die Fische schienen ihre Fressaktivität eindeutig in die Nacht verlegt zu haben und somit fiel das Angeln auf Sicht erstmal weg. Stattdessen fütterte ich mir einen kleinen Spot mit Boilies in einer Bucht vor, in welcher sich zuvor die meisten Fische aufhielten. Aufgrund des trüben Wassers wählte ich weiße Boilies, da man diese noch so gerade am Grund erkennen konnte und ich gerne kontrollieren wollte, ob das Futter über Nacht gefressen wurde. Nachdem ich die Boilies eine Woche täglich in kleinen Mengen gefüttert habe, startete ich den ersten Versuch über Nacht. Als ich am Wasser ankam, hätte die Lage kaum besser sein können. Auf der zuvor gefütterten Stelle standen mehrere Spiegler, von denen einer ziemlich groß aussah. Ich schlich mich am Ufer entlang, bereitete alles vor und legte die Rute schnell ab als für einen Moment kein Fisch in der Nähe war. Die Nacht konnte kommen!

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Zu guter Letzt
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit wurde ich von ein paar einzelnen Piepern geweckt, der Hanger tanzte auf und ab. Im ersten Moment rechnete ich mit einer der unzähligen Schleien des Gewässers, aber als kurz danach schlagartig Schnur von der Rolle gerissen wurde und der gehakte Fisch komplett aus dem Wasser sprang, war mir schnell klar, dass ich es mit einem Graser zu tun habe. Bis ich ihn im Kescher hatte, explodierte er mehrmals förmlich im flachen Wasser der Bucht und ich war mir ziemlich sicher, dass er alle anderen Fische vertrieben hat. Wie erwartet, passierte die ganze weitere Nacht nichts mehr und ich packte morgens im Regen ein. Wenige Tage später probierte ich es erneut und hoffte nun, dass dieses Mal die Karpfen schneller am Köder sind. Wieder ließ der erste Biss nicht lange auf sich warten und wieder war es ein Graser, dieses Mal kämpfte er aber zum Glück deutlich entspannter und sorgte für weniger Unruhe. Durch die geringe Störung hatte ich noch Hoffnung für die restliche Nacht und fing tatsächlich noch zwei der raren Karpfen des Weihers. Da man aufhören soll, wenn es am schönsten ist, zog ich dort zunächst einen Schlussstrich und widmete mich wieder dem Stausee.

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Zeit für den Futterplatz
Während ich am Weiher unterwegs war, hielt ich meinen neuen Futterplatz täglich unter Futter und angelte Mitte August meine erste Nacht dort. Schon als ich am Wasser ankam, bemerkte ich viel Fischaktivität und es dauerte nicht lange bis zum ersten Lauf. Ich kescherte den offensichtlich kleinen Fisch in der Dunkelheit ohne Lampe und war dennoch sehr überrascht, als ich in den Kescher leuchtete. Nach über zehn Jahren Karpfenangeln an diesem See war es nämlich mein allerster Schuppenkarpfen dort. Auch wenn der Fisch wohl erst im letzten Jahr besetzt wurde, war er eine sehr willkommene Abwechslung.

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Am nächsten Morgen fing ich noch einen weiteren Satzer und einen Spiegler. Auch wenn ich fürs Erste zufrieden war, wusste ich, dass ich mit dem Futter einen Fehler gemacht habe. Wie ich eigentlich schon in den vorherigen Jahren gelernt habe, waren die kleinen Boilies hier mittlerweile fehl am Platz. Um damit effektiv auf die größeren Fische zu angeln, sind die kleinen Karpfen mittlerweile einfach zu zahlreich. Es war an der Zeit für selektives Futter.

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Selektion
Nach dem Ergebnis der ersten Nacht stieg ich auf harte 24mm Boilies um. Die Erfahrung der letzten Jahre hatte mir gezeigt, dass sie an diesem See eine sehr effektive Möglichkeit sind, das Durchschnittsgewicht deutlich zu erhöhen. Die kleinen Karpfen haben einfach Probleme die großen und vor allem harten Köder mit ihren Schlundzähnen zu verarbeiten und meiden den Futterplatz irgendwann. Natürlich fängt man hin und wieder auch kleinere Fische auf diese Weise, aber sie werden so definitiv zur Ausnahme.

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Wieder gab ich dem Platz eine Weile bis zum nächsten Angeln, die großen Boilies sollten genug Zeit haben um ihre Wirkung zu entfalten. Und das taten sie schließlich auch! Die ersten Nächte mit den selektiven Boilies brachten mir weniger, aber dafür deutlich größere Fische. Die Taktik ging voll auf.

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Zurück am anderen Stausee
Nach den ersten Erfolgen wollte ich dem Platz eine Weile Ruhe geben und widmete mich wieder dem Stausee aus meinem letzten Blogbeitrag. Nach dem super Start konnte ich dort einfach noch nicht aufhören und hielt den Platz weiter unter Futter. Da ich aber anglerisch erstmal wo anders unterwegs war und privat einiges zu tun hatte, verging über einen Monat bevor ich erneut einen Tagesansitz dort mache. Der Platz hätte kaum besser vorbereitet sein können und so wunderte es mich auch nicht als schon nach kurzer Zeit eine Rute ablief. Nach einer rasanten Flucht stieg der Fisch aber leider aus und das tat richtig weh! Gerade an diesem See, an welchem ich einen kompletten Sommer geblankt habe und jeder Fischkontakt unglaublich viel bedeutet, will man definitiv nichts im Drill verlieren. Dazu kam noch das ungute Gefühl, dass diese Aktion die einzige an dem Tag bleiben wird. Dennoch blieb ich bis zum Nachmittag, aber ging wie erwartet leer aus. Ein paar Tage später war ich wieder vor Ort und hatte mehr Glück, denn dieses Mal konnte ich kurz nach dem Auswerfen einen kleinen, aber schönen Spiegler sicher landen.

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Da die vergangenen Ansitze aber gezeigt haben, dass im Grunde nur die Morgenstunden produktiv waren und über den restlichen Tag nichts mehr passierte, wollte ich an diesem Tag recht früh wieder einpacken. Kurz bevor es so weit war, sah ich allerdings einen Karpfen auf dem Futterplatz rollen und beschloss doch noch etwas länger zu bleiben. Und wie froh ich im Nachhinein über diese Entscheidung bin, denn gegen Vormittag lief die rechte Rute tatsächlich nochmal ab. Der Fisch kämpfte deutlich ruhiger als die Bisherigen und ich merkte schnell, dass ich etwas Besonderes dran hatte. Als ich ein paar Minuten später in den Kescher guckte war mir sofort klar, dass gerade ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Der dunkle Spiegler war nicht nur einer der urigsten Fische die ich jemals gesehen habe, sondern mit Abstand der größte Karpfen den ich in der gesamten Region bisher gefangen habe!

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Ein guter Abschluss
Wie schon oben geschrieben, soll man aufhören wenn es am schönsten ist und der Fang des großen Spieglers wäre eigentlich der optimale Zeitpunkt gewesen. Davon abgesehen hatte ich sowieso mal wieder Lust auf andere Gewässer. Für das bevorstehenden Wochenende hatte ich aber bisher noch keine wirklichen Pläne und so beschloss ich, zum Abschluss nochmal zwei Tage an diesem besonderen Gewässer zu angeln. Nach dem letzten Ansitz hatte ich keinerlei Erwartungen mehr und alles was noch kommen würde, wäre Bonus. Dass es völlig entspannt am besten läuft, bestätigte sich wieder mal und ich fing an diesem Wochenende noch drei weitere Fische. Darunter war interessanterweise derselbe markante Spiegler, den ich im vorherigen Monat als meinen allerersten Karpfen überhaupt dort fangen konnte. Dieser Wiederfang bestätigte meine Vermutung über den dünnen Bestand des Gewässers. Bis Sonntagnachmittag kamen noch zwei weitere Fische dazu, davon erneut ein absoluter Ausnahmefisch für die Region. Der perfekte Abschluss einer unvergesslichen Zeit an diesem tollen See!

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