Mein Jahr 2020 startete mit einer soliden Planung. Zwei neue Gewässer in Deutschland sowie einige Frankreichtouren in den Norden des Landes sollten mir gerade mein Frühjahr mal so richtig versüßen. Was dann passierte, brauche ich hier nicht zum x-ten Mal wiederholen. Lange Rede kurzer Sinn, vier Auslandstouren fielen ins Wasser und dazu war die erste Jahreshälfte in Deutschland für mich auch so richtig besch... 

Die Idee

Als die Grenzen nach Frankreich wieder öffneten, hatte ich keine Zeit. Ich musste mich also weiter gedulden. Mitte September war die nächste Frankreichtour geplant und diese fand dann auch statt! ENDLICH! Dass diese Tour eine besondere werden sollte, war schon vorher klar. Nicht nur, weil es die erste im Jahr 2020 war, sondern auch, weil ich mit meinem Kumpel Niklas zusammen fuhr. Das besondere an Niklas: Er ist eigentlich kein Karpfenangler! Er ist auch kein Raubfischexperte oder sonst was, sondern schlicht und ergreifend Nichtangler. Aber eben Naturliebhaber und einfach gerne draußen, und sein halber Freundeskreis besteht aus Karpfenanglern. So ist er mit mir, oder den anderen Jungs, jedes Jahr etliche Wochenenden an den Baggerseen unserer Region mit on Tour. Durch die deutschen Gesetze ist es für ihn leider nicht möglich, einfach mal ein Wochenende mitzuangeln. Und so kam die Idee und im Endeffekt auch unser gemeinsamer Urlaub zustande. Ein vernünftiges Set-Up war für Niklas schnell bei den gemeinsamen Freunden „zusammengeliehen“ und schon ging es los. 

Sommer, Sonne, Abgelwetter?!

Die Vorfreude war riesig und wir konnten es kaum noch abwarten. Ich war hin und her gerissen, welches Gewässer fahren wir am besten an? Wo kommt Niklas am schnellsten klar und kann vielleicht auch selbst seine ersten Franzosen verhaften? Der Urlaub rückte näher und die Wetterprognose sah alles andere als vielversprechend aus. Über 30 Grad, kaum Wind und das die gesamte Woche. Der Nichtangler freute sich natürlich auf das schöne Wetter, doch ich hatte meine Bedenken. Aufgrund der Wetterlage entschied ich mich für einen mittelgroßen Stausee im Norden Frankreichs. An eines der richtig großen Gewässer wollte ich nicht mit einem blutigen Anfänger, vor allem passte mir das Wetter auch überhaupt nicht. Aus der Vergangenheit – ich hatte den See im Jahr 2019 schon mal für eine kurze Zeit befischt und mit einigen Leuten Vorort gesprochen – wusste ich, dass die Fische an diesem See sehr gut auf große Futterplätze anspringen. Ich wollte uns diese Tour so einfach und entspannt wie möglich machen. Auf großes Moven und Roadtrippen hatte ich keine Lust. Wir wollten Urlaub machen, entspannen und ordentlich fangen. ALSO FUTTERANGELN. 

Freundschaftliche Übernahme

Da in der anvisierten Zone dieses Gewässers das Angeln nur über Tag erlaubt war, war der Plan schnell geschmiedet. Abends oder nachts heftig füttern und über Tag drauf angeln. Wir packten eine ordentliche Ration Boilies ein und machten uns auf den Weg. Freitags im letzten Licht kamen wir am See an und bekamen den gewünschten Platz. Dieser wurde schon von zwei Freunden beangelt, wir konnten die Stelle übernehmen. Alles lief nach Plan, wir richteten unser Camp her und ich lud die erste Ladung Boilies ab. Es wurde nicht gekleckert, ich fütterte ein Areal von ca. 120x30 Metern. Als unser Platz angelegt war, machten Niklas und ich noch unsere Ruten und Rigs startklar. Zum Einsatz kamen einfache Montagen: simple D-Rigs. Wir benutzten dafür 0.50er Fluorocarbon und 5er Chod Twister Haken von Nash. Somit stand dem frühen Start am nächsten Morgen nix mehr im Wege. Wir stießen noch gemeinsam mit einem Bier an und legten uns dann ab.

Let the games begin

Als am nächsten Morgen die Sonne aufging, waren wir schon auf den Beinen und brachten die Ruten raus. Es war wirklich verrückt. Ich hatte mich gerade noch mal hingelegt, da lief schon die erste ab. Irgendwie gab es aber eine Fehlkommunikation zwischen meinem Kumpel Yves, der die Nacht noch dortgeblieben war und morgens auch noch ein paar Stunden angelte, und mir. Er hatte meine Rute aufgenommen und fing an zu drillen. Daraufhin sagte er, ich soll rauskommen und übernehmen. Ich hingegen hatte es so verstanden, dass ich seinen Fisch drillen sollte und antwortet nur „lass den Niklas mal drillen“. Niklas war aber auch im Land der Träume und somit landete Yves den ersten richtig coolen Fisch der Tour. Chapeau mein Freund. Die Serie nahm seinen Lauf, es gab über den Tag noch sieben oder acht weitere Bisse – inklusive der ersten „PB-Party“ für Niklas. Dieser stockte erst von 10 auf 18 Pfund auf und später fing er dann noch einen Fisch mit 24 Pfund. 

Taktikwechsel

Cool wenn man sich langsam steigert, so bleibt es weiter spannend. Am Abend kurbelten wir völlig erschöpft die letzten Ruten ein und ich bereitete die nächste Fütterung vor. Am nächsten Morgen begann der Tanz von vorne, wir fingen an zu angeln und der erste Run ließ nicht lange auf sich warten. An diesem Tag wollte ich das Ganze noch weitertreiben und nicht nur am Abend nach dem Angeltag heftig füttern, sondern jetzt nach jedem Run ein paar Hände hinterher streuen. Das Chaos nahm seinen Lauf und am Ende des Tages waren es gute 15 Karpfen auf der Habenseite. Wahnsinn! Wieder ein neuer PB für Niklas und ich konnte den ersten 20-Kilo-Fisch der Tour fangen. Außer diesem und dem 16 Kilo für Niklas war an diesem Tage der Schnitt aber deutlich kleiner als am Tage davor.

Ich probierte nun eine weitere Taktik. Vor dem Schlafen fütterte ich wieder eine große Menge Boilies und zusätzlich morgens vor dem Start des Angelns noch mal großflächig ein paar Kilo. Zum ersten Mal bekamen wir nicht direkt morgens Runs und es war ruhiger auf dem Platz. Mein Bauchgefühl war super und ich kündigte bei Niklas einen Großen an – als ersten Run des Tages. Gegen 12 Uhr, als die Sonne gerade richtig knallte, lief dann die erste Rute ab. Ich war ehrlich gesagt schon etwas enttäuscht als dann ein Schuppi unter 10 Kilo vor dem Kescher hochkam. Die Bisse kamen weiter und wir fingen einige Fische in allen Größenkategorien.

Run Nummer 10

Ich muss ehrlich sagen, dass ich in dieser Woche richtig experimentieren konnte, aber die richtige Big Fish-Taktik gab es da einfach nicht. Zwischen vielen halbstarken bis hin zu guten 30ern waren auch immer wieder richtige Granaten dabei. Niklas PB pendelte sich irgendwann bei 19 Kilo ein und ich hatte einige richtig gute Fische ­– wir erlebten einfach eine Megawoche. Am vorletzten Tag unseres Trips hatte ich sogar noch die Ehre und durfte meinen eigenen Frankreich PB etwas in die Höhe schrauben! An diesem Morgen lag der See wie ein Spiegel vor mir. Leichter Nebel zog in Schwaden und die Fische waren jetzt voll auf dem Futter. Noch während wir die Ruten auslegten, lief der erste ab. Ein absolutes Chaos brach aus, die Rollen rasten im 20-Minuten-Takt. Wieder waren die Größen der Fische sehr gemischt und viele eher kleinere Fische um die 10 Kilo räumten den Platz ab. Umso erstaunter war ich, als Run Nummer 10 in diesem Massaker schwer wie ein Fels in der Brandung stand. Er zog tief und ruhig seine Bahnen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam der Fisch an die Oberfläche und ich kescherte ihn direkt ab. Der Kopf und der Nacken dieses Fisches waren so massiv, dass ich ihn noch deutlich schwerer schätzte als er es im Endeffekt wirklich war. Ich denke, auf den Fotos wird schnell klar, dass dieser Fisch schon einige Kilos mehr auf den Rippen hatte. Für meinen neuen Frankreich PB reichte es dennoch und die Freude war riesig! Was war das für eine „crazy“ Woche. Einfach mal sieben Tage campieren, die Sonne, frisches Essen und kalte Getränke aus dem Gaskühlschrank genießen und dazu noch 80 Karpfen mit einem Kumpel fangen. Angelherz was willst du mehr?!

Während ich diese Zeilen hier schreibe, bin ich schon wieder im totalen Big Fish-Fieber in Deutschland. Was hier die letzten Wochen passierte, sprengt für mich absolut den Rahmen. Doch dazu dann vielleicht gegen Ende des Jahres mehr. Das ist auf jeden Fall eine andere Geschichte.

Bleibt gesund und genießt die freie Zeit, die ihr habt! 

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